Viele Klavierlehrer scheuen sich davor, sehr junge Kinder im Alter von vier bis sechs Jahren zu unterrichten. Häufig hört man den Satz, die Kinder seien „physikalisch noch nicht fertig“.
Aber fertig – wofür eigentlich?
Für große Akkorde?
Für schnelle Arpeggien?
Für das Lesen von Lead-Sheets?
Ja, dafür sind sie tatsächlich noch nicht bereit.
Doch ehrlich gesagt: Das gilt für jeden Anfänger – ganz unabhängig vom Alter.
Jeder neue Pianist entwickelt motorische Fähigkeiten und Techniken, die er vorher noch nie benutzt hat. Und das braucht Zeit, Geduld und viele kleine Schritte.
Natürlich wird ein vierjähriges Kind in einem Monat nicht das erreichen, was ein neunjähriges Kind vielleicht schon lernen kann. Aber muss es das überhaupt?
Ein vierjähriges Kind erreicht genau das, was ein vierjähriges Kind erreichen kann.
Und das ist erstaunlich viel.
Kinder können:
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singen, hören und sich zur Musik bewegen
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den Unterschied zwischen schönen und „gruseligen“ Klängen wahrnehmen
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mit Lautstärke, Tondauer und Artikulation experimentieren
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musikalische Muster entdecken
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am Klavier improvisieren oder sogar kleine eigene Ideen entwickeln
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das Notenalphabet spielerisch – zum Beispiel über Farben – kennenlernen
Gerade kleine Kinder sind wie Schwämme. Sie nehmen alles auf, was wir ihnen anbieten.
Wenn sie früh musikalische Erfahrungen sammeln dürfen, können sie eine besonders stabile musikalische Grundlage entwickeln.
Deshalb versuche ich im Unterricht, junge Schüler genau dort abzuholen, wo sie stehen. Mit Geduld, mit Neugier und mit einer guten Beziehung zum Kind.
Und vor allem: in kleinen, gut verdaulichen Schritten.

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