Diesen Satz hören wir Musiklehrer ziemlich oft.
„Ich konnte heute nicht üben, weil …“
Die Gründe sind unterschiedlich. Manchmal ist das Wetter zu schön, ein Freund hat Geburtstag, in der Schule war besonders viel los – und gelegentlich hat sogar der Hund die Noten gefressen. Die Ausreden sind manchmal erstaunlich kreativ.
Doch hinter diesem Satz steckt oft eine wichtigere Frage:
Was bedeutet „Üben“ eigentlich?
Im Unterricht erarbeiten wir ein Stück gemeinsam. Wir schauen uns die Noten an, entdecken schwierige Stellen und überlegen, wie man sie gut bewältigen kann. Wir sprechen über Rhythmus, Klang und musikalischen Ausdruck.
Zu Hause geht es dann darum, diese Dinge zu vertiefen – das Stück langsam zu festigen, die Bewegungen vertrauter werden zu lassen und die Musik Schritt für Schritt zu verinnerlichen.
Natürlich gelingt das nicht immer.
Manchmal fehlt tatsächlich die Zeit. Manchmal fehlt auch einfach die Motivation. Und manchmal steckt hinter dem fehlenden Üben etwas anderes: Unsicherheit, Überforderung oder einfach ein voller Alltag.
Wenn ein Schüler einmal nicht zum Üben gekommen ist, ist das kein Grund, dem Unterricht fernzubleiben. Dann arbeiten wir eben gemeinsam weiter am Stück und schauen, wie wir wieder einen guten Einstieg finden.
Oft hilft es schon, das Üben zu Hause ganz klein zu denken. Manchmal reichen zehn konzentrierte Minuten am Klavier völlig aus. Viel wichtiger als lange Übezeiten ist die Regelmäßigkeit.
Gerade bei jüngeren Kindern kann es außerdem helfen, wenn ein Elternteil in der Nähe ist – nicht als „Kontrolleur“, sondern als interessierter Zuhörer. Ein kurzer Moment der Aufmerksamkeit kann für ein Kind sehr motivierend sein.
Denn Üben bedeutet nicht nur Wiederholen. Es bedeutet auch, kleine Fortschritte zu entdecken und die Freude an der Musik wachsen zu lassen.
Wenn dieser Zustand jedoch länger anhält, lohnt es sich genauer hinzuschauen. Dann ist es hilfreich, gemeinsam nach den Gründen zu suchen.
Deshalb ist mir eines besonders wichtig:
Wenn es Schwierigkeiten gibt – beim Üben, bei der Motivation oder im Alltag – sprechen Sie bitte mit mir darüber. Gemeinsam finden wir meist einen guten Weg, damit Musik weiterhin Freude machen kann.
In diesem Sinne:
musikalische Grüße

Kommentar schreiben